Aufruf 06.05.2017

Pressemitteilung des Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt

Schon 2016 stellten sich im Rahmen des Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt etwa 3.000 Personen aus der Wiesbadener Stadtgesellschaft und darüber hinaus gegen die populistische Hetze und bürgerlich verpackte Diskriminierung der sogenannten „Demo für alle“.

Diese hat ihren Ursprung in der französischen Bewegung „Manif pour tous!“ und wird in Deutschland aus AfD-nahen Kreisen organisiert. Dabei setzt man, trotz anderslautender Lippenbekenntnisse in der Öffentlichkeit, auf die Unterstützung durch Organisationen wie NPD, Der III. Weg und Identitäre Bewegung, welche dem äußerst aggressiven rechten Rand der Gesellschaft zuzuordnen sind.

Nun möchten dieselben Organisatoren am 06. Mai 2017 ein Symposium rund um das Thema „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre” in einem der Wahrzeichen unserer Stadt stattfinden lassen: Im Kurhaus Wiesbaden.

Hierbei handelt es sich um einen Veranstaltungsort, der sich durch vereinende und traditionelle Veranstaltungen wie der Ballnacht der AIDS-Hilfe Wiesbaden und zahlreichen Kunst- und Kulturveranstaltungen, die die gesellschaftliche Vielfalt dieser Stadt proklamieren. Es sollte weder hier noch anderswo einen Ort für pseudowissenschaftliche Vorträge und gezielte Desinformation auf Kosten von gesellschaftlichen Gruppen geben.

Am 06.05. werden Redner auf dem Podium stehen, welche die sogenannte „Homoheilung“, also Therapien zur angeblichen Heilung der Homosexualität, befürworten und offen für eine flächendeckende Diskriminierung werben. Dabei sprechen sie zwar von Kinderrechten und Familienwerten, schränken jedoch das Recht auf Wissen und Aufklärung ein und wollen tausenden fürsorglichen Eltern den Familienstatus aberkennen.

„Als Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt, unter dessen Namen im vergangenen Oktober über 100 Organisationen für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft auf die Straße gingen, werden wir auch diesmal wieder vor Ort sein und zeigen, dass unsere Gesellschaft vielfältig, bunt und offen ist. W sindir bereit diese Werte gegen jede Art von Angriff zu schützen.“ kündigt Manuel Wüst, 1. Vorsitzender des initiierenden Vereins Warmes Wiesbaden e.V., an.

Das Bündnis lädt daher zwischen 10:00 Uhr und 12:00 Uhr zu einem Regenbogenfest direkt vor dem Kurhaus ein.

Mit Frühschoppen, Kinderprogramm und kurzen Reden wollen wir alle gemeinsam ein buntes Zeichen setzen. Es wird um Selbstversorgung gebeten.

Mehr Infos findet ihr hier:

Informationen 06.05

Ergänzende Informationen:

Der 2016 eingeführte Lehrplan zur Sexualerziehung in Hessen rief umgehend Stimmen aus der rechten Szene um die berüchtigte sogenannte „Demo für alle“ auf die Tagesordnung. Grund dafür war eine Modifikation der sexuellen Aufklärung im Schulunterricht: Den Schülern sollte die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen vermittelt werden – und damit Offenheit, Diskriminierungsfreiheit und wertschätzendes Verständnis für Verschiedenheit und Vielfalt.

Fakt ist: Andere Lebenskonzepte jenseits des heterosexuellen Vater-Mutter-Kinder-Modells und Geschlechtlichkeit unabhängig von der Zuweisung bei der Geburt sind längst gesellschaftliche Realität. Das Bündnis um Hedwig von Beverfoerde (ehemals CDU, gut vernetzt mit der Familie von Storch; AfD), das tatkräftig von Beatrix von Storch (AfD) und Birgit Kelle (CDU) unterstützt wird, ist sehr weit davon entfernt, dies zu akzeptieren. Der neue Lehrplan trete Kindergefühle und Elternrechte mit Füßen, so die Veranstalter der so genannten „Demo für Alle“.

Zu diesen mit Füßen getretenen Kindergefühlen ist auch anzuführen, dass die Landesschülervertretung den neuen Lehrplan ausdrücklich befürwortet. Darüber hinaus erfüllt jede Bildungsinstitution ihren säkularen Auftrag.

Die Würde von trans- oder intersexuellen Kindern und der Jugendlichen, die schwul, lesbisch oder bisexuell sind, wird dabei gezielt ausgeblendet. Die Existenz transsexueller Kinder und Jugendlicher wird einerseits angezweifelt, aber andererseits als „therapierbar“, im Sinne eines äußeren Zwangs hin zum zugewiesenen Geschlecht, dargestellt. Etwas, das die Bundesärztekammer und der Weltärztebund als unethisch einstufen.

Aufruf 06.05